… allmählich wird es kälter

 Die Einträge dieser Seite folgen mehr oder weniger deutlich dem Jahreslauf. Jahresanfang, Ostern, der tageweise doch recht schöne Sommer, die Ferienzeit und der Indian Summer waren die Themen. Harmlos genug. Dabei hätte es natürlich in diesem Jahr auch ganz anderen Stoff gegeben: Die sehr jungen oder zu jungen chinesischen Kunstturnerinnen und ihre Goldmedaillen, die Ordnungsmacht Russland und ihre Friedensmission in Georgien, das Gebaren der Finanzwelt und die Masslosigkeit der höchsten Kader – da „verdiente“ dann wieder einer Millionenbeträge in dreistelliger Höhe über Nacht – der Berner Sämi Schmid, die Armee und die Medien; überhaupt der Bundesrat, von dem einige sagen, es handle sich dabei eher um eine misslungene Neuauflage der Muppetshow. Über all diese Themen hätte sich bissig und eloquent schreiben lassen, das Wort von Machiavelli aufs aktuellste illustrierend: „… denn die Menschen sind immer schlecht, wenn die Notwendigkeit sie nicht gut macht.“ (Niccolò Machiavelli: Der Fürst. Geschrieben 1523 bis 1524. Insel Taschenbuch 2772)

Doch dann scheint nach einer kalten, sternenklaren Nacht mit dem Orion direkt über dem Schlafzimmerfenster die schönste Herbstsonne, und man will von den Händeln der Welt nichts wissen und von Machiavelli. Und ist geneigt, Kästner zu zitieren: „ein Wetter glatt zum Eier legen.“ – An diesem Sonntag, den 5. Oktober 2008. Überall in der Gegend finden nun die Herbstmärkte statt, in Bubikon, Grüningen, Bauma und im Girenbad beispielsweise. Wir fuhren gestern nach Bauma und dann ins Girenbad – per Auto. Eben

Im Auto über Land
Erich Kästner

An besonders schönen Tagen
ist der Himmel sozusagen
wie aus blauem Porzellan.
Und die Federwolken gleichen
weißen, zart getuschten Zeichen,
wie wir sie auf Schalen sahn.

Alle Welt fühlt sich gehoben,
blinzelt glücklich schräg nach oben
und bewundert die Natur.
Vater ruft, direkt verwegen:
„’n Wetter, glatt zum Eierlegen!“
(Na, er renommiert wohl nur.)

Und er steuert ohne Fehler
über Hügel und durch Täler.
Tante Paula wird es schlecht.
Doch die übrige Verwandtschaft
blickt begeistert in die Landschaft.
Und der Landschaft ist es recht.

Um den Kopf weht eine Brise
von besonnter Luft und Wiese,
dividiert durch viel Benzin.
Onkel Theobald berichtet,
was er alles sieht und sichtet.
Doch man sieht’s auch ohne ihn.

Den Gesang nach Kräften pflegend
und sich rhythmisch fortbewegend
strömt die Menschheit durchs Revier.
Immer rascher jagt der Wagen.
Und wir hören Vater sagen:
„Dauernd Wald, und nirgends Bier.“

Aber schließlich hilft sein Suchen.
Er kriegt Bier. Wir kriegen Kuchen.
Und das Auto ruht sich aus.
Tante schimpft auf die Gehälter.
Und allmählich wird es kälter.
Und dann fahren wir nach Haus.

Am Baumer Markt hörte ich einen Mann sagen: „Jetzt gehen wir nach Hause in die Wärme und räumen den Keller auf!“

 

 

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