Wassermänner haben Geburtstag

Viele in unserer Familie sind Wassermänner. Und als solche sind wir also „originell, vorurteilslos, eigenwillig, individualistisch, erfinderisch, fortschrittlich, reformerisch, unkonventionell, exzentrisch, freiheitsliebend, unverbindlich, unabhängig, sozial gesinnt, gesellig und gute Teamplayer“ wie es in einem astrologischen Text heisst. Na ja, Stiere haben wir auch, und die sind nicht weniger interessant: „’Nur immer mit der Ruhe’, sagt bedächtig der Stiermensch, ‚Wer langsam reift kommt grad so weit.’ Der Stier überstürzt die Dinge nicht, zuerst muss alles gründlich überlegt werden. Er ist zäh, ausdauernd und arbeitet bedacht an seinen Zielen.“ Ob es astrologische Texte zu Widder oder Fischen oder Zwillingen gibt, die weniger euphorisch klingen?
Wassermänner haben dieser Tage Geburtstag– also von Ende Januar bis fast Ende Februar. Und so erhalten wir denn Gratulationen von Söhnen, Töchtern, Freundinnen und Freunden von hier und von dort. Einer dieser Freunde schrieb aus Frankreich und zitierte zwei Zeilen eines Chansons von Georges Brassens:
Une jolie fleur dans une peau de vache
Une jolie vache déguisée en fleur
Die Melodie dieses Liedes habe ich noch im Kopf – aber den Text des ganzen Liedes? Im Büchergestell fand ich „Georges Brassens par Alphonse Bonnafé“, Poésie et Chansons, Paris, 1963. Und darin auch den Text dieses Liedes, der, wie so oft bei Brassens, schliesslich eher traurig-düster-melancholisch und eigentlich halt auch ein bisschen machohaft ist. Aber schön sind diese Chansons eben wirklich. Etwa die Schmetterlingsjagd:

La chasse aux papillons
Un bon petit diable à la fleur de l’âge,
La jambe légère et l’œil polisson,
Et la bouche plein’ de joyeux ramages,
Allait à la chasse aux papillons.

Comme il atteignait l’orée du village,
Filant sa quenouille il vit Cendrillon.
Il lui dit : « Bonjour, que Dieu te ménage »,
J’ t’emmène à la chasse aux papillons.

Cendrillon ravie de quitter sa cage,
Met sa robe neuve et ses bottillons ;
Et bras d’suss bras d’ssous vers les frais bocages
Ils vont à la chasse aux papillons.

Ils ne savaient pas que sous les ombrages
Se cachait l’amour et son aiguillon ;
Et qu’il transperçait les cœurs de leur âge,
Les cœurs des chasseurs de papillons.

Quand il se fit entendre, ell’ lui dit j’ présage
Qu’ c’est pas dans les plis de mon cotillon
Ni dans l’échancrure de mon corsage,
Qu’on va t’à la chasse aux papillons.

Aber auch dieses hübsche Lied endet mit zwei nachdenklichen und eher verzweifelten Versen, évoquant „les nuages, porteurs de chagrins“.
Wir aber lassen uns nicht unterkriegen, suchen die CD mit den Brassens-Chansons, ergeben uns der nostalgischen Melancholie „du petit cheval blanc“ und starten zuversichtlich ins neue Lebensjahr.

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