Ein Gedicht und zwei Sprüche. Auch eine Reiseerzählung

Wer sich auf der Autobahn Berlin nähert, erfährt durch ein Hinweisschild, er befahre nun das Havelland und siehe da – plötzlich taucht die Tafel auf und verschwindet rasch wieder: Schloss Ribbeck.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland und sein Birnbaum, sein Misstrauen gegenüber dem Sohn und seine Zuneigung zu Knaben und Mädchen über den Tod hinaus.

Und kommt ein Jung’ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: „Wiste ’ne Beer?“
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s „Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew Di ’ne Birn.“

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Theodor Fontane, der Apotheker und Schriftsteller in Berlin hat dieses Gedicht 1889 geschrieben. Ebenso bekannt dürfte auch sein John Maynard aus dem Jahr 1885 sein. [Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland ist nachzulesen in Deutsche Gedichte. Reihe Reclam. Philipp Reclam jun. Stuttgart 2006]

In der alten Nationalgalerie in Berlin sahen wir ein riesiges Triptichon – ich weiss nicht mehr von wem und aus welcher Zeit. Wir waren etwa drei Stunden in diesem grossartigen Museum, gewidmet „Der deutschen Kunst“, das eine hervorragende Sammlung französischer Impressionisten wie Manet und Monet enthält. In Erinnerung geblieben sind mir zwei kleine Spitzweg-Bilder mit winzigen, hageren Figürchen, ein sehr schöner Segantini und die unterste linke Ecke des linken Flügels eben dieses Triptichons. Da sitzt ein blonder Knabe, gekleidet wie ein kleiner Erwachsener und hält an einer feinen Kette ein Äffchen. Das sitzt ihm auf den Knien und laust des Knaben lockiges Haar: „Mich laust der Affe!“

In Aachen führte uns ein Lehramtsstudent mit den Hauptfächern Geschichte und Englisch durch den Dom. Er hatte einige Jahre an der Restauration dieses uralten Baus mitgearbeitet. Seine Erläuterungen und Kommentare waren prägnant und oft witzig. Der überaus simpel aus Marmorplatten aus dem Mittelmeerraum zusammengesetzte Königsthron – für uns heutige Touristen ein enttäuschender Anblick – sei eben gerade nicht der Thron Karl des Grossen. Der Thron gehöre einem Höheren. Und wenn sich der Kaiser auf ihn setzen wollte, hatte er die Erlaubnis Gottes in rituellem Gebet zu erflehen. Im Chorgestühl erklärte der Student, wie es für Mönche oft anstrengend gewesen sei, die für die Liturgie vorgeschriebene Stellung lange einzuhalten, weshalb man sich so halb halb auf die halb erhobene Klappe des Chorstuhles setzte. Diese Klappe drohte aber immer wieder mit lautem Knall herunter zu fallen, weshalb der Nachbar die Aufforderung zischte: „Halt die Klappe!“

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