Frühjahr im Burgund

Im Eschberg in Dürnten läuft alles seinen ruhigen Gang, man mäht den Rasen, richtet Steingärten ein, kurz, der Frühling beginnt, nichts Aufregendes also. Wir verabschieden uns für einige wenige Tage ins Burgund.

Um es vorweg zu nehmen: Es regnete beinahe ununterbrochen. Wie wir über die Jurahöhen nach Frankreich hinein fuhren, schneite es sogar; es war bitter kalt. Wir reisten am Sonntag, 22. April, bei wenig Verkehr und waren schon um drei Uhr nachmittags in Beaune.

Am Montag besuchten wir Alesia, das neue Interpretationszentrum zur Schlacht zwischen Vercingetorix und Caesar 58 v.Chr. Bernhard Tschumi war der Architekt dieses imposanten Gebäudes. « Il est Français ? » demande quelqu’un lors de la visite guidée. « Bien sûr qu’il est Français », répond le guide. – Tschumi est né à Lausanne en 1944 ; il a fait ces études à l’ ETH à Zurich ! Il est Suisse et Français.

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Dann fahren wir auf die Höhe von Alise-Sainte-Reine und bestaunen die riesige grimmige Statue von Vercingetorix! Das Schloss Bussi-Rabutin befindet sich noch im Winterschlaf. Doch Fontenay können wir nicht links liegen lassen; die grosse ehemalige Klosteranlage beeindruckt uns aufs Neue!

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Dienstags folgt der obligate Besuch von Saint-Philibert in Tournus. Auf der anschliessenden Fahrt nach Cluny halten wir in Briançon und essen im einzigen Restaurant dieses winzigen, mittelalterlichen Städtchens in eisiger Kälte zu Mittag. Auf den Besuch des trutzigen Château-fort verzichten wir. In Cluny wird nach wie vor mächtig restauriert. Das Museum ist sehr eindrücklich, während die wenigen Überreste der einstigen riesigen Klosteranlage weitgehend wegen Bauten geschlossen waren.

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Auch am Mittwoch und am Donnerstag regnet es kalt. Wir fahren nach Chablis, speisen dort in einem ehemaligen Weinkeller aus dem zehnten Jahrhundert ganz hervorragend und kaufen einige Flaschen. Der Weinhändler gibt uns Tipps für einen Besuch in Dijon und warnt uns vor sangliers auf den Autostrassen! Ohne ein Rencontre mit Wildschweinen erreichen wir Vézelay, besuchen die Kathedrale Sainte-Marie-Madeleine – auch hier wird eifrig restauriert – und fahren durch graue Regenlandschaften über Saulieu und Arnay le Duc nach Beaune zurück.

Auch am Freitag regnet es kalt. Wie uns der Gewährsmann und Wildschwein­kenner in Chablis gesagt hat, sind Les Halles in Dijon offen, ist Markt in vielen Gassen und schlendert eine Menge Volk um all die Stände herum. Wir sind begeistert! In Nuits-Saint-Georges essen wir karibisch: Die Dame des Hauses stammt aus Martinique, also gibt es Acras (frittierte Bällchen aus Crevettenmousse) und Colombo de poulet, was ein sehr mildes Curry mit Hühnerbein ist. Nachmittags fahren wir nach Rochepot und besichtigen dort frierend das Schloss. Der jugendliche, weibliche Guide spricht ein sehr korrektes, schönes Französisch.

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Abends setzt sich ein französisches Paar unseres Alters an den Nebentisch im Restaurant. Auf meine Frage, woher sie kämen, sagt der Mann: « Nous venons de Paris, comme tout le monde. »

Samstag, 28. April, und es ist noch immer kalt, und wir starten unsere Heimfahrt, wiederum über den Jura. In Les Verrières zeigt das Thermometer bereits 22° an; der französische Zoll ist geschlossen. Ich will aber Wein ausführen! « Comment je vais faire ça ? » frage ich am Schweizer Zoll. « Mais, c’est moi qui vais le faire. » « ?? »  « Les collègues français travaillent quant ils veulent et nous faisons leur travail. » Dann steigt das Thermometer weiter, und in Zürich zeigt es 31°. Wir sind zu Hause!

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