Zwei blicken über den Berenbach

Meinen Nachbarn hier in der Siedlung im Eschberg muss ich kurz von einem Besucher berichten, der mit mir im Gras am Berenbach stand. Wir freuten uns am Murmeln und Plätschern des Wassers, sahen zwar keine Fische, und auch die sommerlichen Libellen fehlten, aber die Herbstsonne schenkte allem ihren Glanz. Am andern Ufer stehen ja nun auf künstlich erhöhtem Grund neue Häuser, in denen neue Nachbarn wohnen. Erinnert man sich noch an die Zeit vor diesem Häuserbau? An die hohen Bäume vor der alten Scheune, an die Pferde und Kühe auf den Wiesen am Bach? Sieht man noch die unbehinderte Sicht auf Bachtel und Glärnisch und Mürtschen und …?

Mein Besucher ist Stadtzürcher, hat ein Leben lang in der Stadt am Fusse des Uetlibergs gewohnt und gelebt, hat gearbeitet und gefeiert mitten in Häusern. Und sagt nun zu mir, der ich manchmal ein bisschen der früheren Weite des Blicks und der tierischen Gemütlichkeit nachtraure: „Das alles hier hat ja nun sehr gewonnen! Jetzt ist es bei dir richtig schön! Dieser Bach und dahinter die schönen Häuser der Nachbarn!“

Das hat mich schon etwas verblüfft. Es ist halt wirklich wahr: Die Welt ist für jeden so wie er sie sieht.

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