Tor oder nicht Goal

In den späten Vierziger Jahren hatten unsere Väter zwei Fussballgoals aus schweren Holzlatten gebaut, und wir Knaben rannten einem ledernen Ball hinterher und trafen das eine oder andere Mal tatsächlich: Goal – Goal – Goal! Allerdings nicht immer; der Ball flog oft ins Behind oder wurde abgelenkt: Corner. Wir sagten Gorner und hatten keine Ahnung, dass das der englische Begriff für Ecke war. Links und rechts vom Spielfeld war das Out. Wir foulten, machten Hands, versenkten einen Penalty und versuchten, das Offside zu verstehen, was, soweit ich mich erinnere, kläglich misslang.
Heute, wo das Englische – bzw. das Amerikanische – derart unsere Gesellschaft dominiert, vor allem in der Wirtschaft: Call Center, Logistic Center, Happy Hair, Swissness, Beauty shop, and so on – heute hört man die Sportreporter von Eckball reden. Sie schreien: Strafstoss! Handspiel! Aus – der Ball ist im Aus! Abschlag nicht Ecke, recht so, der Schiri sieht alles! Nur gerade das Offside, das Foul, dribbling und tackling haben überlebt.
Während also das Leben in unserer Gesellschaft immer deutlichere amerikanische Spuren in der deutschen Sprache hinterlässt, geht es im Fussball in die andere Richtung. Weil die Deutschen erfolgreicher sind als die Engländer? Gilt auch hier, dass die Sprache sich den Mächtigen beugt?
Am Rande beobachte ich, dass einer der grossen Schweizer Trainer, der im Fernsehen einige Spiele kommentierte, in Leserbriefen scharf kritisiert wurde: „Der kann ja kaum einen vollständigen Satz von sich geben!“
Ja, der Fussball und die Sprache! Was sagte doch der Coach einer erfolglosen Mannschaft am Ende eines Interviews? „Ich habe fertig!“
Noch etwas fällt mir an der WM 2014 in Brasilien auf. Viele durchaus sehr erfolgreiche Trainer oder Coaches stammen aus den Vierziger Jahren, so etwa Ottmar Hitzfeld oder Luiz Felipe Scolari – die beiden haben sogar den gleichen Jahrgang wie ich. Ihre Spieler könnten ihre Enkel sein. Der Grossvater führt und befielt, die Enkel gehorchen! Einverstanden, der wohl erfolgreichste Stratege dürfte Löw sein, und der gehört erst der Vätergeneration an.
Dass der Fussball völkerverbindend wirke, diese Behauptung wird in Brasilien fast Spiel für Spiel demontiert. Aber das Verhältnis der Generationen zu einander bleibt vorerst intakt – jedenfalls an dieser WM in Brasilien.
Genug der Worte: Ich freue mich auf den Final! Ob da die Torkamera wieder einmal zum Einsatz kommt? Ganz sicher die Schaumspritze. Wie heisst die eigentlich auf Englisch?

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