… und wieder droht Ungemach!

Harald Welzer beklagt in der Sternstunde Philosophie im Schweizer Fernsehen den Verlust der Privatsphäre. Er sieht die Unverletzlichkeit der Person und der Wohnung gefährdet. Gefährdet durch das Internet. Unsere Tablets, Smartphones, unsere Computer produzieren bei Mausklick und Tastenschlag eine ungeheure Datenmenge, welche Firmen oder Einrichtungen wie Google, Twitter oder Facebook sammeln, bündeln, verwerten, auswerten – uns zu Nutzen. Damit wir schneller finden, was wir suchen, damit wir buchen und kaufen, was wir sollen, damit wir wollen, was wir wollen sollen. Es droht uns, sagt Harald Welzer, das Leben in einer Diktatur, in einer freundlichen Weltverbesserungsdiktatur. Das ist, finde ich, ein schöner Begriff, die freundliche Weltverbesserungsdiktatur.

Viel früher, im letzten Jahrhundert, gab es das auch, nämlich die Diktatur der hohen sozialen Kontrolle im Dorf. – durchaus auch zu unser aller Nutzen. Aber wehe, man entsprach nicht den Vorstellungen der Mitwelt; wehe, man handelte gegen die Norm; wehe, man akzeptierte allgemein anerkannte Autoritäten nicht: Polizisten, Pfarrer, Lehrer, die Armee, den Staat, die Kirche. Wie sang Georges Brassens in seinem Lied „La mauvaise réputation“?

„Non, les braves gens n’aiment pas que
l’on suive une autre route qu’eux!“

Um dieser lähmenden Kontrolle auszuweichen, zogen manche in die Stadt: Stadtluft macht frei!

Fast ein Jahrhundert später singt nun Harald Welzer wieder das hohe Lied der direkten, nicht virtuellen Gemeinsamkeit. Er plädiert für den autonomen Bürger, für den Citoyen, der sich nicht manipulieren lässt, der aus sicherem privatem Leben sich aktiv (politisch) an der Gemeinschaft beteiligt, der Privates und Öffentliches sauber zu trennen weiss. Weil aber die „brave new world“ des Internet derart verlockend ist, wehrt sich (noch fast) niemand dagegen. Cumulus und Supercard, iPhone und Smartphone werden rege benutzt – auch Edward Snowden vermochte nicht, uns aufzuwecken – soweit Harald Welzer, der sagt, er möchte nicht mit Geräten kommunizieren, er verwende kein Smartphone.

Kann man „mit Geräten“ vernünftig, gemässigt, besonnen, als autonome Person „richtig“ umgehen? Es bleibt uns wohl nichts anderes übrig, denn in eine Stadt fliehen, die frei machen würde, ist nachgerade unmöglich. Oder bleibt nur der Galgenhumor, der iStone (den ein Klick auf das Bildchen in seiner ganzen Grösse zeigt)?

istone

Horst Bohnet preist ihn wie folgt an: „Im Zeitalter der hektischen, virtuellen Kommunikation sind Ruhe und Zeit der neue Luxus. Der iStone ermöglicht dank permanenter Stummschaltung störungsfreie Kontakte Face to Face. Mit diesem Antiburnout-Gadget bist du voll dabei und unerreichbar. Ideal beim Date, am Arbeitsplatz, in der Schule, im Kino und Theater. Rund um die Uhr ein stilles, trendiges Statement für eine bewusste Gesprächskultur, echte Verbindungen und Entschleunigung. Mit dieser Kleinskulptur im Sack, in der Hand oder auf dem Tisch bringst du den Stein ins Rollen und wirst BotschafterIn der neuen Stoneline-Bewegung.“

Hoppla – mein Handy klingel-tönt! Au revoir!!

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