J.-C.-Heerstrasse

Die Buslinie 882 verbindet die Siedlung im Eschberg mit Zürich und damit mit der weiten Welt. Kommen wir zurück von der Arbeit, vom Einkauf an der Bahnhofstrasse in Zürich, vom Besuch bei Freunden, vom Ausflug oder von einem schönen Dîner am See, führt uns der Bus 882 nach Hause. Er fährt vom Bahnhof Bubikon zur J.-C.-Heerstrasse und verkündet das an seiner Front in strahlender Leuchtschrift. Er hält dann zwar nicht im Eschberg, sondern in Dürnten, Rothus aber doch praktisch vor unseren Haustüren.
Da heisst also in Oberdürnten eine Strasse nach einem Herrn Heer. Und wer, bitte sehr, war dieser Herr? Sehr viele der zahlreichen Passagiere der Linie 882 werden Jakob Christoph Heer wohl kaum mehr kennen, geschweige denn eines seiner Bücher gelesen haben. Dabei wurde „An heiligen Wassern“, publiziert 1898, bis ins Jahr 1958 744’000 mal verkauft (Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz). Von 1882 an unterrichtete J. C. Heer in Oberdürnten, bevor er Feuilletonredaktor der NZZ wurde. Seine Lehrerausbildung genoss er am Seminar Küsnacht.
Als ich dieses Seminar besuchte, unterrichtete mich Frau Nelly Heer-Heusser, eine Verwandte von J. C. Heer, in Küsnacht in Deutsch und Englisch. Später, als Lehrer in Rüti, besuchte ich jeweils den Stammtisch im Löwen – und da sass ein Herr Heusser, der Bruder von Frau Heer, die wir „Madam“ nannten, und die gemäss einer Broschüre des Seminar Küsnacht 1971 als erste Frau als Vizedirektorin in die Schulleitung einer kantonalen Mittelschule aufgenommen wurde. 1958 war sie als erste Frau zur Hauptlehrerin gewählt worden.

„An heiligen Wassern“ schildert den Einbruch der modernen Technik in eine heile Alpenwelt.
„König der Bernina“ (erschienen 1900) erzählt vom Aufkommen des Fremdenverkehrs und den Gefahren des Massentourismus.
Aber „aktuell“ sind beide Bücher nicht mehr wirklich, sodass auch beflissene Literaturliebhaber, welche sie nicht gelesen haben, den Bus 882 von Bubikon zur J.-C.-Heerstrasse ohne schlechtes Gewissen benutzen werden.

1 comment to J.-C.-Heerstrasse

  • Christian Jung

    Soo gut, lieber Werner.
    Ich lese Deine Vermischten immer wieder mit Genuss. Und ich freue mich natürlich auf diese Busfahrt!

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