Salopp und träf – Formeln, die sich mir einprägten

I don’t like Ike.                           Geschichtslehrer am Semi Küsnacht

Dwight D. Eisenhower, der General aus dem zweiten Weltkrieg, wurde zum Präsidenten der USA gewählt (1953 – 1961). Im Wahlkampf gab es „I-Like-Ike“-Clubs, die stark zum Wahlerfolg beitrugen. Unser Geschichtslehrer am Seminar Küsnacht schrieb an die Tafel «I don’t like Ike.» Eine Kriegsgurgel sei kein Politiker, monierte er. Nach der Suezkrise und dem Ungarnaufstand (1956) ist dies meine erste politische Erinnerung. – Abgesehen von den sonntäglichen Spaziergängen des Knaben mit dem Vater zur Wahlurne. Sehr viel später kam dann das Feldschiessen, der Sohn mit dem Sturmgewehr, der Vater mit dem Karabiner – auch eine Art politisches Statement. Wer besser getroffen hat, der ehemalige Kanonier im Aktivdienst oder der frisch gebackene Korporal, weiss ich nicht mehr.

Ich bin ein Berliner.                    John F. Kennedy

Und dann kam Kennedy, für den wir Jungen alle schwärmten. Als Karin und ich an der Jungbürgerfeier in der Turnhalle Dietikon feierten, erreichte uns die Nachricht von Kennedys Ermordung – und alles stob auseinander und ans Radio nach Hause! (1963)

I have a Dream.                    Martin Luther King

Am 28. August 1963, gegen den Schluss seiner Rede vor dem Lincoln Memorial rief Mahalia Jackson Martin Luther King leise zu: „Erzähl ihnen von dem Traum, Martin.“ [zitiert nach Harry Belafonte: My song.]

Yes we can!                                 Barack Obama

Von Barack Obama 2009 während des Wahlkampfs ausgerufen, wurde der Spruch zu seinem Wahlslogan. Ein Satz voller Selbstsicherheit, voller Zuversicht und Hoffnung, jedoch ohne die gehässige Überheblichkeit eines Trump. Meine Generation erinnert sich dabei an Kennedy.

America first                                Donald Trump

Damit bin ich beim Spruch des amtierenden Präsidenten angelangt. Was für ein Gefälle zwischen Kennedy / Obama und Trump! Gerne erinnere ich hier an einen Ausruf Harry Belafontes: „Where is the voice of Black America?“

Das schaffen wir!                        Angela Merkel

Der Satz der Willkommenskultur, der so sehr an Obamas Yes we can erinnert. Tempi passati!

Achtung Europa!                         Thomas Mann, 1936

«Der folgende Text basiert auf einem Vortrag im Ungarischen Theater in Budapest. Er entstand unter Mithilfe von Gattin Katia Mann und wurde explizit für den Pester Lloyd autorisiert. Ein wütender Protest der Deutschen Gesandtschaft konnte die Veröffentlichung nicht verhindern, brachte aber die Redakteure auf die schwarze Liste des Reichspropagandaministeriums.

Einer der führenden Denker Europas, zugleich einer der letzten „guten Europäer“, der Nobelpreisträger Thomas Mann, ruft auf diesen Seiten zur Rettung der bedrohten Kultur auf.
‚Es ist nicht mehr als loyal vorauszuschicken, daß der Verfasser dieser Zeilen im Beginn des siebenten Jahrzehnts seines Lebens steht. Altersverstimmung gegen die Zeit mag eine in dem Grade gesetzmäßige Erscheinung sein, daß sechzig und mehr Jahre die Meinungen eines Mannes über „das Neue“, den Zustand der Welt, in den hineinzuleben ihm bestimmt war, einigermaßen entwerten. Dennoch werde ich nicht auf viel Widerspruch stoßen bei der Behauptung, daß man nicht unbedingt sechzig sein muß, um die gegenwärtige Verfassung Europas grauenhaft zu finden.’» [Aus dem Archiv des Pester Lloyd.]

Thomas Mann spricht mir Fünfundsiebzigjährigen hier aus dem Herzen. Und ich erinnere mich an den Schlusssatz an einem Stammtisch diesen Sommer: «Europa ist in der Scheisse.»

Ach Europa!                                 Hans Magnus Enzensberger

Der erste Satz in Enzensbergers Buch mit «Wahrnehmungen aus sieben Ländern» lautet: «’Ganz egal für wen wir stimmen, und was dabei herauskommt: Sozialdemokraten sind wir doch alle’, sagte der Herr in der abgetragenen Tweedjacke und prostete mir mit einem Wasserglas voll Rotwein zu.» [Das war 1982 anlässlich der Wahl von Olaf Palme. 2018 waren wieder Wahlen, und die Sozialdemokraten haben beträchtlich an Stimmen eingebüsst! Nicht nur in Amerika leidet die Sozialdemokratie, wie Tony Judt klagte, sondern auch in Europa.] Enzensbergers Titel ist wohl aktueller denn je.

Freude herrscht!                         Adolf Ogi

Wir wissen es: Ein Schweizer flog ins All – allerdings nicht von Kloten aus. Andere knackige Sprüche von Schweizer Politikern fallen mir derzeit nicht ein, es sei denn, ich würde Ueli Maurers «Das Rütli ist einfach eine Wiese voller Kuhdreck» zitieren.

Harry Belafonte: My Song. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2012
Thomas Mann: Achtung Europa! (1935) in Essays Band 4, herausgegeben von Hermann Kurzke & Stephan Stachorski, Frankfurt a.M. 1995
Hans Magnus Enzensberger: Ach Europa! Wahrnehmungen aus sieben Ländern. Suhrkamp Verlag. 1987
Tony Judt: Nachdenken über das 20. Jahrhundert. München 2013

 

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