Die Banken und das Geld

Auf einer Stadtrundfahrt für Touristen in Ostkroatien wundert sich ein Teilnehmer angesichts der vielen modernen, neuen Autos in den Strassen, woher denn das viele Geld komme. Sagt die Fremdenführerin: «Auch bei uns haben die Banken viel Geld.» Geld, das offensichtlich den meisten Menschen im Land fehlt. Darüber diskutieren wir beim mehrgängigen Nachtessen auf dem Kreuzfahrtschiff und geraten in arges Schimpfen über die bösen Banken und die noch böseren Banker. Klar, wer «im goldige Anketopf sitzt, hät guet Motze».

Mir kommt während der Diskussion Bert Brechts Spruch in den Sinn: «Der Bankraub ist eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank». Allerdings finde ich nirgends eine präzise Angabe, woher das Zitat wirklich stammt.

Mit Sicherheit aber zitiere ich ein Gedicht von Erich Kästner, denn ich kann es nachlesen im Bändchen «Gesang zwischen den Stühlen»:

AUF EINER KLEINEN BANK VOR EINER GROSSEN BANK
(Zur bleibenden Erinnerung an den Juli 1931)

Worauf mag die Gabe des Fleisses,
die der Deutsche besitzt, beruhn?
Deutsch sein heisst (der Deutsche weiss es)
Dinge um ihrer selbst willen tun.

Wenn er spart, dann nicht deswegen,
dass er später davon was hat.
Nein, ach nein! Geld hinterlegen
findet ohne Absicht statt.

Uns erfreut das blosse Sparen.
Geld persönlich macht nicht froh.
Regelmässig nach paar Jahren
klaut ihr’s uns ja sowieso.

Nehmt denn hin, was wir ersparten!
Und verludert’s dann und wann!
Und erfindet noch paar Arten,
wie man pleite gehen kann.

Wieder ist es euch gelungen.
Wieder sind wir auf dem Hund.
Unser Geld hat ausgerungen.
Ihr seid hoffentlich gesund.

Heiter stehn wir vor den Banken.
Armut ist der Mühe Lohn.
Bitte, bitte, nichts zu danken!
Keine Angst, wir gehen schon.

Und empfindet keine Reue!
Leider wurdet Ihr ertappt.
Doch wir halten euch die Treue.
Und dann sparen wir aufs neue,
bis es wieder mal so klappt.

Und tatsächlich erfand die Finanzwelt inzwischen eine neue Art, «wie man pleite gehen kann»: Die Negativzinsen. An unserem Stammtisch sitzt übrigens auch ein ehemaliger Banker. Oder vornehmer, so wie früher: Bankier. «Wir Banker sind ja heutzutage die Bösewichter vom Dienst», sagt er. «Nun aber, nach dem Dieselskandal, sind wir nicht mehr allein!»

 

Erich Kästner. Gesang zwischen den Stühlen. Atrium Verlag. Zürich 1932

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