Wohnen wir nun auf dem Land oder nicht?

 Wer nicht in einer Stadt wie Zürich, Regensberg oder Genf wohnt, oder „im Städtchen“ in Grüningen, der ist als Schweizerin oder Schweizer überzeugt, er lebe auf dem Land. Soziologen und Statistiker versichern dagegen, dass fast alle Menschen (ca 70 %) in der Schweiz in städtischen (urbanen) Verhältnissen leben oder eben in Agglomerationen.

Wo leben wir von der Siedlung im Eschberg? In der „Agglo Obersee“, wie auf www.duernten.ch unter „Aktuelles“ zu Beginn des Septembers 2007 nachzulesen ist. Wir wohnen demnach quasi postmodern: an der Dürntnerstrasse in Dürnten. „Im Eschberg“ wäre romantisch gewesen. Auf die Frage: „Woher kommst Du?“ antworten wir nun korrekt postmodern: „Aus der Aggloobersee!“ Und nicht romantisch „Aus dem Oberland“.

Ennet unserem Bahndamm führt der Bauer mit modernstem Gerät die Gülle aus, auf dass sein Vieh, Mutter und Kalb und Stier, wieder genug Futter finde; ennet dem Berenbach geschieht – ein bisschen weniger modern – ähnliches, wenn auch ohne Vieh: Wir aber wohnen nicht auf dem Land, sondern in der Agglomeration, auch wenn aus Hadlikon alle vierzehn Tage der Eiermann seine frischen Eier – und letzthin auch Birnen – von Haus zu Haus anbietet.

Zur Agglo Obersee gehören die zehn Gemeinden Altendorf, Bubikon, Dürnten, Eschenbach, Feusisberg, Freienbach, Lachen, Rapperswil-Jona, Rüti und Wollerau in den Kantonen St. Gallen, Schwyz und Zü­rich. Die Agglo vereint somit uralte Feinde. Im alten Zürichkrieg (1440 – 1450 um die Erbschaft der Grafen von Toggenburg) zwischen unter anderem den Schwyzern und den Zürchern kamen Heer und Marine zum Einsatz!

Laut „Agglomerationsprogramm Obersee“ vom Juni 2007 – zu finden auf www.aggloobersee.ch – liegt der Hauptzweck in der sinnvollen Bewältigung der Verkehrsprobleme in den beteiligten Gemeinden, vor allem, was die Enge bei Rapperswil und Hurden betrifft. Darüber hinaus finden sich aber noch folgende Themen im Programm:

  • Bildungszentrum
    Es soll geprüft werden, ob durch verstärkte Zusammenarbeit innerhalb der Agglomeration und damit über die Kantonsgrenzen hinaus, das Bildungsangebot in der Agglo verbessert werden kann zur Hebung der Lebensqualität. Das gefällt mir sehr gut!
  • Projekt „Sport“: Sanierung und Ausbau des Eisstadions in Rapperswil. Das dürfte unsere kleinen Landhockeyaner freuen und eventuell den EHC-Dürnten wieder beleben.
  • Weiterführung des Kulturpreises Obersee und Beteiligung weiterer Gemeinden an der Sanierung der Insel Ufenau. Soviel liest man unter dem Stichwort „Kultur“.
  • Sicherheit: Ausbau des Rettungsstützpunktes Rüti.

Nach wie vor würzt zum Glück die Gülle unsere Eschberger Aggloluft!

Übrigens: Eine schöne Darstellung zum Thema Stadt-Land in der Schweiz findet sich im faszinierenden Buch „Atlas der politischen Landschaften. Ein weltanschauliches Porträt der Schweiz“ von Michael Hermann und Heiri Leuthold im Hochschulverlag AG an der ETH Zürich. Zürich, 2003.

Ich zitiere aus dem Vorwort: „Dieser Atlas zeigt ein weltanschauliches Bild der Schweiz, bei dem auf Basis von fast 200 eidgenössischen Volksabstimmungen die wichtigsten politischen Grundkonflikte aufgedeckt wurden – und mit ihnen die regionalen Unterschiede von Einstellungen, Werten und Mentalitäten. Gefunden haben wir dabei eine facettenreiche mentale Topografie. … So unterscheidet sich die typische Weltanschauung von Stadt- und Landbevölkerung, und in den Agglomerationen des Schweizer Mittellands hat die Bevölkerungswanderung eine Vielzahl räumlich getrennter mentaler Milieus entstehen lassen … Der moderne Mensch sucht sich das zu seinen Werten und Lebensstilen passende Wohnumfeld oder wird aus finanziellen Gründen daraus verdrängt.“

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre!

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