Musik im Salon

Es ist ein nasser Spätfrühling, ein nasser Frühsommer, aber beide sind für uns voller Musik. Ein Oberländer Transportunternehmer hat in seiner Liegenschaft einen Salon eingerichtet und nennt ihn Salon Benatzky. Er sammelt leidenschaftlich Preziosen des Komponisten, der fast nur durch sein «Im weissen Rössel am Wolfgangsee» bekannt ist. Dieser Salon voller Andenken an Benatzky und andere Zeugen aus vergangenen Zeiten erinnert mich sehr an die Salons aus Prousts «A la recherche du temps perdu». Und so gefällt er mir denn auch ausserordentlich. Immer wieder finden hier klassische Konzerte mit grossartigen Musikerinnen und Musikern statt. So war einmal der Violonist Stefan Tarara vom Stradivariquartett zu Gast, ein ander Mal spielten zwei Damen virtuos vierhändig an einem der Flügel im Salon, und einmal hörten wir André Desponds, Gründer des Gershwin-Piano-Quartetts, der nach der Pause ein Wunschkonzert veranstaltete: Das Publikum zog Musiktitel aus dem Hut. «Heute ist für einmal kein Liszt dabei, sonst sind es immer mehrere bis viele.» An der Matinee vom 16. Juni spielte am Flügel der Debussy-Spezialist Anthony Tobin Werke von Mozart, Bach und Debussy. Wir hörten die «Reflets dans l’eau». Und zwar vier Kompositionen aus den Jahren 1890 bis 1905. Jeweils mit fantasievollen Titeln: «Et la lune descend sur le temple qui fut» oder «Claire de lune». Das ist herrliche Musik – übrigens seit langem wieder bei herrlichem Sonnenschein.

Sommerserenade

Gestern hatten wir wieder einmal ein grossartiges, sehr lokales, schönes Erlebnis: Der Orchesterverein Rüti-Tann lud im Klangmaschinenmuseum Dürnten zu einer Sommerserenade ein. Das grosse Blechbläserensemble spielte Werke von Paul Dukas und Händel, das grosse Holzbläserensemble  Pachelbel, Mozart und Bach. Einfach sehr beeindruckend, was alle diese vielen Hobbymusiker leisten. Am besten gefielen mir der Bach und der Händel. Die Arranngeure, die all diese Werke für reine  Blasmusik umschrieben, kenne ich natürlich alle nicht. Anschliessend lockte das KMM mit feinem Salat- und Pastabuffet.

Eine Sommerserenade?! Da wenige Parkplätze zur Verfügung stehen, gingen wir zu Fuss hin und wurden auf dem Heimweg prompt sehr feucht, durch und durch nass und recht kühl verregnet. Anderntags präsentiert unser Nachbar auf dem Facebook Status Schnecken an der Hauswand, die offensichtlich vor Regen und Nässe flüchteten.

Gelingt die Energiewende?

Seit dem letzten Beitrag auf diesen Seiten ist ein halbes Jahr vergangen. Nun lohnt es sich aber vielleicht, wieder einmal auf die Siedlung «Im Eschberg» aufmerksam zu machen, denn da schreitet die Energiewende doch etwas voran: Einige Gasheizungen wurden durch Wärmepumpen oder Erdsondenheizungen ersetzt, und auf einigen Dächern wirken bereits Solarzellen. Nun stehen schon wieder Gerüste für den Aufbau weiterer Voltaikanlagen. Unser Haus 14 soll Ende Juni damit Strom erzeugen können. In meinem Alter rechnet sich das zwar nicht mehr, aber für die Zukunft war es wohl doch der richtige Entscheid, eine Voltaikanlage zu kaufen.

Der Ausbau der Wasserkraftwerke und gar der Bau von Windkraftanlagen scheitert oft an Einsprachen aus der Bevölkerung oder aus Naturschutzkreisen. Alle wollen das Gute auf der Welt, aber bitte nicht vor meiner Haustür und nicht in dieser unberührten Landschaft! Das finden wir selbstverständlich schade und uneinsichtig, aber wir haben da gut urteilen und schimpfen, denn niemand will den Berenbach zwecks Stromgewinnung aufstauen, und ein riesiges Windrad auf dem Eschberg ist meines Wissens auch nicht geplant. Also fahre ich wohlgemut meinen alten Verbrenner zu Ende und wechsle dann total zum ÖV oder kaufe ein E-Mobil. Bis dann schafft es vielleicht auch Alfa Romeo, so ein Ding zu bauen.

Mähroböterchen und Morgenstern

Vor einiger Zeit ist unser Rasenroboter still gestanden. Er jammert: «Kein Schleifensignal». Der gerufene Techniker zeigt mir: Eine Maus hat das Elektrokabel durchgebissen. Es wird repariert, und der Rasen floriert wieder.

Mich erinnert das an eine Erzählung Morgensterns über seine Figuren Palmström und von Korf:

Palmström hat nicht Speck im Haus,
dahingegen eine Maus.

Korf, bewegt von seinem Jammer,
baut ihm eine Gitterkammer.

Und mit einer Geige fein
setzt er seinen Freund hinein.

Nacht ists, und die Sterne funkeln.
Palmström musiziert im Dunkeln.

Und dieweil er konzertiert,
kommt die Maus hereinspaziert.

Hinter ihr, geheimerweise,
fällt die Pforte leicht und leise.

Vor ihr sinkt in Schlaf alsbald
Palmströms schweigende Gestalt.

Morgens kommt v.Korf und lädt
das so nützliche Gerät

auf den nächsten, sozusagen
mittelgrossen Möbelwagen,

den ein starkes Ross beschwingt
nach der nächsten Waldung bringt,

wo in tiefer Einsamkeit
er das seltne Paar befreit.

Erst spaziert die Maus heraus
und dann Palmström, nach der Maus.

Froh geniesst das Tier der neuen
Heimat, ohne sich zu scheuen.

Während Palmström glückverklärt
mit v.Korf nach Hause fährt.

Heute, einige Wochen nach der ersten Panne, steht der Mähroboter wieder still. Ob wohl die Maus zurückgekehrt ist?

Christian Morgenstern. Galgenlieder. Insel-Verlag. Wiesbaden. 1947

Ist Ihnen der Genitiv in der zweitletzten Strophe auch aufgefallen?  Mir zaubert er ein glückverklärtes Lächeln ins Gesicht.

Miteigentümerversammlung und Quartierfest 2023

Über die siebzehnte Miteigentümerversammlung kann ich nichts berichten, weil ich zusammen mit Karin und Sabine schlicht eine Stunde zu spät erschien – und da war alles Entscheidende bereits getan. Am Quartierfest hingegen waren wir dabei und genossen die feine Bowle, den professionellen Grilldienst, die guten diversen Salate aus den verschiedenen Siedlungsküchen und die interessanten Gespräche. Ich danke ganz besonders Thomas Fiegl, der das Quartierfest jedes Jahr organisiert. Er schien dieses Jahr etwas enttäuscht zu sein, weil auch gar viele Bewohner nicht am Fest teilnahmen. Als Älteste «im Felde» erlaubten wir uns, uns vor dem Karaokesingen zurückzuziehen. Einmal zu spät erschienen, einmal früh verabschiedet – so passt es denn, wenn dieser Vermerk zu Versammlung und Fest sehr spät erscheint.

Über das Glück, einen Hausarzt zu haben

Meinen Hausarzt kenne ich noch nicht lange. In den späten Sechzigerjahren des letzten Jahrtausends starteten ein junger Mann seine Laufbahn als Schularzt und ich als Lehrer in der gleichen Oberländer Gemeinde. Er wurde mein erster und langjähriger Hausarzt. Bis er seine Praxis an eine jüngere Kollegin aus Osteuropa verkaufte. Sie betreute mich ebenso effektiv bis auch sie den strengen Beruf aufgab und ich bei einem älteren Herrn aus der Nahbargemeinde unterkam, der sich aber rasch aus gesundheitlichen Gründen aus dem Berufsleben zurückziehen musste. Unterdessen war auch ich pensioniert, und beim ersten ernsthaften Besuch beim neuen Hausarzt sagte ich ihm, ich würde das Leben geniessen, sei ja in Rente und ohne schwierige Verpflichtungen. Das schien ihn zu begeistern: Die meisten Patienten würden vor allem klönen, er treffe selten jemanden, der «geniesse». Dieser Tage war wieder ein Besuch fällig – wer so lange lebt, verbringt viel Zeit in Warte- und Behandlungszimmern. «Wie geht es Ihnen,» fragte er, «geniessen Sie auch diesen grossartigen Sommer?» Kein Gejammer über die drückende Hitze, sondern ein Ausdruck purer Lebensfreude. Dabei WAR es heiss, und es gab Warnungen für uns alte Leute: trinkt genug, bleibt am Schatten, etc. Irgendwie, merkte ich nun, bedrückten mich diese Warnungen und das Schimpfen allenthalben wegen der grossen Hitze schon ein wenig. So war denn die Begeisterung des Arztes über das wochenlang schöne und warme Sommerwetter ansteckend. So muss es doch sein, dachte ich: Du kommst etwas bedrückt zum Arzt und gehst beschwingt nach der Konsultation in das schöne Sommerwetter hinaus!

Vom Limmattal ins Oberland – und zurück

Wir sind im Limmattal, in Dietikon, aufgewachsen. Flügge geworden, zogen wir ins Oberland. Heute nun ging’s wieder einmal zurück; und zwar mit der S5 und der neuen Limmattalbahn. Bubikon – Bahnhof Altstetten (36’) und dann Bahnhof Altstetten bis Bahnhof Killwangen (37’). In den Neunzehnhundertfünfzigerjahren ging noch Vieles zu Fuss: vom Schäflibach, wo ich wohnte, zum neu eröffneten Schwimmbad im Fondli waren es einige Kilometer; ins Kino nach Schlieren zu Dr.Jekyll and Mr. Hyde ebenfalls, und zum Bohnen dörren per Leiterwagen ins Gaswerk Schlieren war es noch weiter. Zwei Stationen der neuen Limmattalbahn heissen Schäflibach und Gasometerbrücke. Das Tal hat sich natürlich gewaltig verändert. Kein Flugplatz, keine Wagonsfabrik mehr, dafür ein Spital und eine Kantonsschule … das Limmattal ist, so scheint es uns, total überbaut. Neben all dem Neuen entdecken wir aber auch Altes in Dietikon: das Hotel Krone an der Reppisch, erstmals als Taverne erwähnt im Jahr 1259; das Restaurant Sommerau; eine Zahnarztpraxis in einem sehr alten haus – und dann sehen wir ganz kurz die aufgestaute, breite Limmat und den Turm der katholischen Kirche, und am Bahnhof steht eine moderne Komposition der Bremgarten-Dietikon-Bahn, die direkt am Gartentor vor dem Haus meiner Grosseltern vorbeifährt, was heute wohl noch gefährlicher ist als damals, weil moderne Züge viel leiser fahren. Grossvater, Vater und Onkel haben die BDB einige Jahre fast täglich genutzt; sie arbeiteten in der Wagi (Station Wagonsfabrik). An der Beerdigung meines Vaters standen etwas abseits drei alte Männer, die wir nicht kannten. „Wir sind Wagianer“.

Das war heute ein kalter, regnerischer, interessanter Nostalgiesonntag – aber Heimweh nach dem Limmattal oder nach der «guten alten Zeit» ist nicht aufgekommen.

Haben Sie es übrigens bemerkt? Der Text berücksichtigt wieder die offizielle Rechtschreibung. Ich tue dies nicht aus Überzeugung, sondern aus Bequemlichkeit. So kann ich mich wieder auf das Korrekturprogramm verlassen, das mir bei der gemässigten Kleinschreibung, die ich seit August 2020 gepflegt habe, jeweils einen Grossteil der Wörter rot einfärbt. (vgl. „gross, klein, gemässigt oder neu“ vom August 2020)

As Time Goes By

Eschberg.ch hat sein ursprüngliches design verloren. Mein sohn Peter Heller hat es 2006 kreiert, als wir in die siedlung, die damals «Im Eschberg» hiess, einzogen. 2023: Das design auf der basis von Atahualpa könne nicht mehr verwendet werden. – Rächt sich der letzte Inkaherrscher an der modernen IT-welt?

Peter hat ein neues design aufgeschaltet, sachlicher, technischer, kühler. Ganz herzlichen dank! Nun sind die lesetipps, die situationskarte unserer siedlung und alle beiträge aus den jahren 2007 bis 2023 wieder lesbar. Wer mag, möge darin schmökern. Er findet dabei vielleicht das textchen „Heisser Sommer und alte Lieder“ aus dem august 2018, einem sommer, der auch sehr heiss war, wie der diesjährige und erst noch viel trockener. Von «klimawandel» war da offenbar noch kaum die rede, aber von der sehnsucht nach regen – und nach liebe:

Le jour où la pluie viendra
Nous serons, toi et moi
Les plus riches du monde
Les plus riches du monde
Les arbres, pleurant de joie
Offriront dans leurs bras
Les plus beaux fruits du monde

Hoppla : Mein titel hier stammt ja gar nicht von Gilbert Bécaud sondern aus dem film Casablanca aus dem jahr 1942. Wer ähnlich viel zeit hinter sich gelassen hat wie ich, wird sich mit sicherheit an Ingrid Bergman und Humphrey Bogart erinnern und an die folgende szene:
Ilsa: Play it once, Sam. For old times’ sake.
Sam: [lying] I don’t know what you mean, Miss Ilsa.
Ilsa: Play it, Sam. Play „As Time Goes By“.

My heart is down, my head is turning around

In der mittelschule hiess uns der gesangslehrer, ein lied eigener wahl solo vorzutragen. Zwecks notengebung. Ich wählte Belafontes «Island in the Sun», allerdings in der deutschen version von Caterina Valente. «Wo meine Sonne scheint und wo meine Sterne stehn». Dieser kitsch gefiel mir damals sehr. Mein vortrag muss schrecklich gewesen sein. Diesen sprechgesang könne er nicht bewerten, meinte Walter Simon Huber (WaSiHu), der lehrer; ich solle ein anderes lied wählen. «Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder, und der Herbst beginnt». Viel später las ich bei Jean Rudolf von Salis, wie er über diesen liedtext seines bruders spottete.

Harry Belafonte, der diesen april mit 96 jahren verstorben ist, war das idol meiner jugendzeit. Jahre später wurde mir der bürgerrechtskämpfer Belafonte wichtiger als der calypsosänger. Aber seine lieder, der Banana Boat Song oder Jamaica Farewell begleiten mich noch heute. [Keine angst: ich werde nicht singen!]

Day-o, day-o
Daylight come and me wan‘ go home
Come, Mister tally man, tally me banana

But I’m sad to say I’m on my way
Won’t be back for many a day
My heart is down, my head is turning around
I had to leave a little girl in Kingston town

Als vor einigen jahren ein schwarzer von der polizei erschlagen wurde und die bilder davon um die welt liefen, sich in den USA aber kaum etwas änderte, rief Belafonte entsetzt: «Where is the voice of black America?» Nach Trumps wahlsieg eröffnete er ein gespräch mit Noam Chomsky und einem journalisten mit «Welcome to the Forth Reich!»

Harry Belafonte mit Michael Shnayerson. My Song. Die Autobiographie. Kiepenheuer & Witsch. Köln. 2012

Spargelzeit

Natürlich kann man spargeln ganz vernünftig in der MIGROS oder bei COOP kaufen oder direkt und in der nähe bei Jucker in Seegräben. Wir aber fahren diese woche wie jedes jahr nach Flaach und besorgen uns das weisse gemüse dort. Jung verheiratet, kauften wir uns eine spargelpfanne. In der standen die spargeln, und die köpfe lugten knapp unter dem deckel aus dem wasser heraus, damit sie bloss im dampf gegart wurden, während die robusteren stangen im wasser kochten.

Heutzutage bevorzuge ich die methode, die ich von Elfie Casty kenne: Ich lege die spargeln in eine weite pfanne, bedecke sie nur knapp mit siedendem, aber nicht sprudelndem salzwasser und gebe etwas butter und eine prise zucker dazu.

So kommt es dann beispielsweise zu „Spargeln und Avocado an Honig-Vinaigrette“, einem rezept von Elfie Casty im buch „Mit Liebe, Lust und Thymian“.

Übrigens, mein freund aus dem Thurgau seinerzeit servierte uns auf seiner terrasse grüne wilde spargeln aus dem eigenen garten. Auch die schmeckten sehr, sehr fein!

Die spargeln sind halt schon weggeputzt!

Elfie Casty. Mit Liebe, Lust und Thymian. Buchverlag. Klosters. 1998