Der Frühling kommt, der Schnee schmilzt weg

Das war ein langer, schöner Winter. Die Kinder konnten seit Ende November Schlittschuhlaufen, später fiel soviel Schnee, dass der Eschberg zur Schlittelpiste wurde. Noch ist der Winter nicht wirklich vorbei, immer wieder schneit und regnet es kalt. Und doch schmilzt der Schnee langsam, die Krokusse schauen hervor, und das erinnert mich an die Zeilen:

Der Frühling kommt
Der Schnee schmilzt weg

Harmlose, triviale Zeilen. Sie stehen im Theaterstück Mutter Courage von Bert Brecht – doch die Fortsetzung ist dann weniger harmlos:

Der Frühling kommt
Der Schnee schmilzt weg
Die Toten ruhn
Und was noch nicht gestorben ist
Das macht sich auf die Socken nun

Mutter Courage spielt im Dreissigjährigen Krieg, 1618 – 1648, in dem fast die Hälfte aller Europäer umgekommen ist. Da schmilzt der Schnee heute trotz Finanz- und Wirtschaftskrise sehr viel friedlicher weg – jedenfalls, soviel ich sehe, im Eschberg.
Von Brecht kennen alle wohl auch das folgende Lied:

Und der Haifisch, der hat Zähne
Und die trägt er im Gesicht
Und Macheath, der hat ein Messer
Doch das Messer sieht man nicht.

An ’nem schönen blauen Sonntag
Liegt ein toter Mann am Strand
Und ein Mensch geht um die Ecke
Den man Mackie Messer nennt.

Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.

Es stammt aus der Dreigroschenoper, dem wohl erfolgreichsten deutschen Theaterstück. Horst Tappert übrigens, „unser aller Derrick“, spielte in einer Hörspielproduktion 1968 den Mackie Messer. Vielleicht hat jemand in seiner Plattensammlung auch die „uralte“ englische Fassung der Moritat von Mackie Messer mit Louis Armstrong: Mack the Knife.

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