De mortuis nil nisi bene

Klaus Bartels (1936 – 2020)

Klaus Bartels haben wir in einem Kurs in Wetzikon kennengelernt. Der Altphilologe begeisterte uns, und ich engagierte ihn als Redner an einer Vortragsreihe für Zürcher Schulbehörden. Klaus Bartels erläuterte mit einer Reihe Zitaten aus dem alten Rom, wie die damaligen Menschen über Schule und Bildung dachten und formulierte daraus abgeleitet kritische Bemerkungen zur aktuellen Bildungspolitik, die gerade durch das New Public Management durchgeschüttelt wurde. Bildungsdirektor Buschor äusserte sich nach dem Vortrag prompt säuerlich abschätzig «über diese Altphilologen». Später lud ich Klaus Bartels ein, an einem Gartenfest im Pestalozzianum aufzutreten. Dort zitierte und erläuterte er Einsichten und Anekdoten zur Schulung und Bildung aus dem klassischen Altertum. So etwa das Geläufige «Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir». Und erklärte dann schmunzelnd, dass Seneca ganz anders formuliert habe: «Non vitae, sed scholae discimus. Nicht für das Leben, für die Schule lernen wir». Am gleichen Gartenfest referierte auch ein Deutschdidaktiker aus der Sicht von Dichtern aus dem 20. Jahrhundert. Er zitierte etwa Günther Grass: «Noch immer derselbe triste Notenmief» (In: Die unterbrochene Schulstunde).

In meinem Büchergestell stehen acht Bücher mit Wortgeschichten, geflügelten Worten und «Jahrtausendworte – in die Gegenwart gesprochen», in denen ich immer wieder gerne blättere und lese:

Veni Vidi Vici. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt. 1992
Homerisches Allotria. Verlag NZZ. 1993
Wie Berenike auf die Vernissage kam. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt. 1996
Wie der Steuermann im Cyberspace landete. Primus Verlag1998
Roms sprechende Steine. NZZ Verlag. 2000
Trüffelschweine im Kartoffelacker. Verlag Philipp von Zabern. 2003
Internet à la Scipio. Verlag Philipp von Zabern. 2004
Jahrtausendworte – in die Gegenwart gesprochen. Rombach verlag.2019

In einigen dieser Bücher findet sich eine Widmung «für Werner» von Klaus Bartels. So zum Beispiel: «Nunquam plus ago, quam cum nihil ago; numquam minus solus sum, quam cum solus sum.» Als Nichtlateiner hatte ich keine Ahnung, was das bedeutet, fand später aber in den Jahrtausendworten die Übersetzung: «Niemals tue ich mehr, als wenn ich nichts tue; niemals bin ich weniger allein, als wenn ich allein bin.» (Cicero. Über den Staat). Das passt doch nicht schlecht in diese Coronazeiten, finde ich.

Nun ist Klaus Bartels gestorben. Er wird mir fehlen, aber seine Bücher werden mich weiterhin begleiten. Es fällt mir überaus leicht, bei Klaus Bartels dem folgenden antiken Gebot zu folgen:

„Über die Toten soll man immer nur wohlmeinend, niemals übelwollend sprechen.“ [Klaus Bartels. Veni vidi vici S.60]

 

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