Winter ade oder Alles fahrt Ski

Klosters, das erinnert mich an Skilager und Ferienkolonien in meiner Primar- und Sekundarschulzeit. Die Schulgemeinde Dietikon besass in Klosters das Wyerhus, ganz eingangs Dorf, sodass wir Jugendliche in den klobigen und schweren Schuhen unsere Holzskier doch recht weit bis zur Bahn tragen mussten. War es in der sechsten Klasse in der sommerlichen Ferienkolonie oder im Skilager der ersten Sekundarklasse? Eines Nachts überfielen etwas ältere, hübsche Mädchen in Nachthemden uns Knaben und verküssten uns. Es waren meine ersten Küsse überhaupt. Bevor ich das richtig verstand und mich darob freuen konnte, stürmten die Lehrer unsere Knabenbude und fuhren schreiend dazwischen. Das Vergnügen fand sein Ende, bevor es richtig hatte beginnen können.

Vom Wyerhus aus sah man direkt auf die Linie der Rhätischen Bahn, die dort eine S-Schlaufe in die Landschaft legt. Wir schlossen jeweils Wetten ab, ob der herannahende Zug lang genug sei, um ein rotes S zu zeichnen.

Später lockte jeden Winter die Parsenn als Inbegriff eines fantastischen Skigebiets. Trotz enorm langen Wartezeiten in Klosters oder in Davos fuhr ich mit dem Vater mehrere Sonntage hin und genoss die überaus lange Abfahrt bis nach Küblis. In der Erinnerung erscheinen allerdings auch jene Sonntage in vergoldetem Licht, an denen wir bei mehrmaligem Umsteigen mit der SBB aus dem Limmatttal nach Wald fuhren, von dort hinauf auf den Farner und abends auf Skiern bis ganz hinunter nach Wald. Kamen wir dann in Dietikon nach Hause, war das Haus unfreundlich und kalt, und wir beeilten uns jeweils gewaltig, den Ofen in der Küche anzufeuern, dem Kachelofen in der Stube damit wieder Wärme einhauchend. Eingeläutet wurden solche schönen Wochenenden mit dem Schneebericht der SBB freitags über Mittag. Während wir Käsewähen und nachher Fruchtwähen assen – der Freitag war immer fleischlos – las ein Sprecher in ernstem Tonfall den Schneebericht: Flums Nassschnee gut, Schwarzsee La Berra Piste Pulver fahrbar, Davos Parsenn Pulver sehr gut. Käseduft und die Vorfreude auf ein Schneewochenende paaren sich untrennbar in meiner Erinnerung. Hiess es Pulver gut, wurden am Freitagabend die Skier mit Skigliss präpariert – auch diesen Geruch werde ich nie mehr vergessen. Den Schneebericht gibt es nicht mehr, genau so wie den Briefkastenonkel oder das Wunschkonzert von Radio Beromünster. Aber Käsewähen schmecken immer noch hervorragend.

 

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